Hallo!
Nachdem ja meine letzte Performance bei euch nicht so gut angekommen ist, stelle ich euch diesmal eine handvoll Näherungsschalter vor. Ziel war es zwölf Schalter zu bauen um damit eine interaktive Klanginstallation zu errichten in der mit jedem Schalter eine von zwölf Tonspuren Ein bzw Aus geschaltet werden kann. Ich habe mich für kapazitive Näherungsschalter entschieden die von hinten Beleuchtet werden und je nach Zustand der Tonspur (An/aus) rot oder grün leuchten.

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Näheres zum funktionsprinzip der Schalter findet mensch im Laborwiki: http://www.das-labor.org/wiki/Klingel
Den Code habe ich (in leicht veränderter Form) einfach uebernommen.

Der Aufbau besteht jeweils aus einer Europlatine am deren Rändern sich acht rote und acht grüne LEDs paaren. Ausser dem Mikrocontroller (Atmega und dem Referenzkondensator befindet sich nichts nennenswertes auf der Platine. Die Platine selber liegt in einem robusten Holzkasten dessen Deckel aus 3mm satiniertem Plexi besteht.

Die Herstellung der Platinen und Baugruppen erfolgte im Labor e.V
Dort gibt es nicht nur eine extra eingerichtete Ätzküche sondern mensch kann im Falle spontaner müdigkeit auch zu einer Flasche Club Mate greifen.

Folgende Bilder beschreiben erst einmal den Herstellungsprozess der ganzen Dinger:

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Platinen belichten.

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Dann ins Entwicklerbad.

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Entwickler fein abspülen.

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Platinen im Ätzbad. Schön mit Blubberblasen und Heizstab.

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Jetzt nur noch Bohren

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Fertig!

Das ganze also zwölf mal..

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Bestücken und Löten..

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Während ich mich bei einer frischen Minze auf der Terasse von den Strapazen des Lötens erhole sei den Platinen auch ein wenig Sonne gegönnt. Die armen Dinger haben ja sonst nichts.

Währenddessen habe ich mich dann schonmal mit der Steuereinheit beschäftigt. Das Prinzip ist denkbar einfach: Ein weiterer uC erkennt den Flankenwechsel auf der Steuerleitung beim Umschalten der Farbe und schaltet mittels Reed-Relais eine von zwölf Tasten auf einer USB-Tastatur.
Eine Software am Rechner erkennt den tastendruck und Schaltet dann die Audiospuren an bzw aus. Sicherlich gibt es elegantere Lösungen aber am Ende hat es wunderbar funktioniert \/

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Verbunden wird alles mit XLR Kabeln. Die sind Robust und bei Veranstaltungen meist vorhanden. Ausserdem sind drei Leitungen genau das was ich brauche.
Irgendwann war dann tatsächlich alles fertig und der erste Funktionstest konnte stattfinden:

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Eigentlich wollte ich die Kabel alle um eine 1kw Stichsäge wickeln um zu gucken wie Störungsanfällig das System ist. Ich habe es dann doch gelassen denn es hat unter Normalbedingungen sehr gut funktioniert

Auf einer Technoparty im Ruhrgebiet konnte das Publikum dann erstmals die Klanginstallation mit meinen Schaltern bespielen:

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Von totaler Ruhe (alle Taster grün) bis zum total noisigen Klang-Terror (alles rot) konnten die Besucher den Raum in nahezu beliebig viele Verschiedene Klänge hüllen. Super Idee, super Umsetzung!

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Wer wollte konnte sich über das künstlerische Konzept informieren oder auch etwas über die Technik erfahren. In dem Heft war z.b auch der C-Code abgedruckt.

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Irgendwann später in der Nacht haben die meisten Gäste die Installation vermutlich nur noch so oder so ähnlich wahrgenommen.
Auch das Prinzip des berührungsFREIEN Schaltens hat so mancher Gast irgendwann nicht mehr ganz verstanden und mir wurde klar wieso es gut war die Taster robust zu gestalten. Kaputt gegangen ist nichts.
(Auch zu sehen: Schlingensief Ikonisierung. Ruhe in frieden lieber Christoph.)

Das wars für Heute, bis zum nächsten mal.